Die Internationale Gesellschaft für Studien des Gregorianischen Chorals (AISCGre) wurde 1975 in Rom gegründet und engagiert sich für die von Eugène Cardine begründete semiologische Ausrichtung im Gregorianischen Choral in Forschung, Lehre und Praxis.

Die AISCGre zählt etwa 500 Mitglieder (Personen und Institutionen) in 26 Ländern. Das Alltagsleben spielt sich in fünf geographischen bzw. linguistischen Sektionen ab. Die Zusammenarbeit zwischen diesen Sektionen drückt sich auch in der Organisation der Internationalen Kongresse der AISCGre aus.

GREGORIANISCHE SEMIOLOGIE

Gregorianische Semiologie ist die angewandte Wissenschaft, die die Bedeutung der Neumenzeichen für die Interpretation der gregorianischen Gesänge erschließt. Sie bedient sich der Erkenntnisse der musikalischen Paläographie; über paläographische Methoden und Fragestellungen hinaus befasst sich die Semiologie mit Fragen der Ästhetik und der praktischen Ausführung. Sie stützt sich vorwiegend auf die ältesten Neumenhandschriften, welche die nuanciertesten Hinweise bezüglich rhythmischer Gestaltung und im Blick auf das Wort-Ton-Verhältnis der Gesänge beinhalten.

Neumen sind die handschriftlichen Zeichen, mit denen seit dem 9. Jahrhundert zunächst die rhythmische und später die melodische Gestalt der gregorianischen Gesänge notiert wurden. Die Gregorianische Semiologie zeigt unter anderem, dass der gregorianische Rhythmus keinem Metrum folgt, sondern wortgezeugt ist und dass Text und Melodie eine einzigartige Symbiose bilden.

INTERNATIONALER VORSTAND DER AISCGre