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"Maria keusche
Mutter zart"- Salzburger Virgilschola 1996

"Maria, keusche
Mutter zart" - Advent und Weihnachten im mittelalterlichen Salzburg mit
Liedern des Mönch von Salzburg und Gesängen aus alten Codices.
Salzburger Virgilschola, Ltg.: Stefan Engels. SVS 1996 01
"Die vorliegende Aufnahme bietet in Form einer Meditation einen Querschnitt
der schönsten Gesänge aus dem Gesangsrepertoire für die Advents- und Weihnachtszeit
und Auszüge aus der prachtvollen mittelalterlichen Liturgie. Die meisten
Stücke werden in dieser Fassung zum ersten Mal gespielt."
Dies ist ein Satz aus dem sorgfältig gestalteten Booklet der CD, mit der
sich das junge Vokalensemble hier vorstellt. Die Salzburger Virgilschola,
die sich mit der geistlichen Musik des Mittelalters in Österreich und
hier besonders in Salzburg beschäftigt, hat ein sehr vielgestaltiges Programm
eingespielt, und das Ergebnis ist eine CD, aus der man die ernsthafte
Beschäftigung mit der Materie ebenso heraushören kann wie die jugendliche
Freude an dieser Beschäftigung. Noch interessanter als die bekannteren
gregorianischen Gesänge der Adventszeit, die in der regionalen Überlieferung
der Melodien erklingen, dazu tendierend, die Töne e bzw. h zu vermeiden
und durch f bzw. c zu ersetzen, dürften wohl die Kompositionen des Mönch
von Salzburg zu hören sein, mit denen der "Weihnachtsteil" des Programmes
durchsetzt ist. Vielleicht ist ja sogar, da es mit einem ehrlichen Lächeln
gemeint ist, das Wort "amüsant" erlaubt, wenn man im "Nunc dimittis" der
Komplet von Weihnachten das "Joseph, lieber Joseph mein" hören kann, in
einer kunstvoll geformten großen Komposition aus gregorianischen "Originalmelodien",
lateinischem Tropus und deutscher Übersetzung von 11 Minuten Dauer. Da
das Ensemble auch mehrstimmige Gesangstechniken der Zeit beherrscht und
häufig Glocken erklingen ("Im Mittelalter wurde oft und viel geläutet"),
hat man beim Hören wirklich eine prachtvolle mittelalterliche Liturgie
vor Augen, deren Pracht auch kleinere chorische und intonatorische Ungefeiltheiten
nichts anhaben können.
Stefan Rauh
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