


|
 |
Climacus Resupinus
im Codex Angelica 123
von Alfons Kurris
Den gesamten Beitrag finden Sie in Beiträge
zur Gregorianik 24, S. 41 bis 56
Die unterschiedlichen Graphien und ihre rhythmische Bedeutung
Das Schriftbild im Codex Angelica 123 (RA) erscheint im Vergleich zur
St. Galler und zu Metzer Notation in rhythmischer Hinsicht auf den ersten
Blick zwar weniger aussagefähig; jedoch ist die Schreibweise sehr präzise
beim Einsatz der Notengruppierung mit Blick auf die Schaffung rhythmischer
Klarheit. Der Verfasser verwendet fünf verschiedene Graphien für den Climacus
resupinus, und er überzeugt in der konsistenten Wahl und Anwendung jeder
Graphie.
Wir wollen zunächst die rhythmische Bewertung jeder Graphie abgrenzen.
Aufgrund ihrer großen Bedeutung als Artikulationsneume gibt die Resupingraphie
Aufschluß für eine adäquate Interpretation des Gesangs. Hierbei ist es
wichtig, das rhythmische Gewicht der Resupinnote zu klären.
Der Climacus resupinus ist eine Einzelgruppenneume, wenn die vier Elemente
( bei der dreistufigen Form) unverbunden sind.
Graphie 1: Normalform: Die Anfangsnote ist eine Virga mit einer Verdickung
auf der rechten Seite. Der Unterschied zwischen Punctum und Tractulus
fehlt, deswegen sind die Noten im Abstieg immer als ein relativ kurzer
Strich notiert. Die Resupinnote ist als normale Virga geschrieben
Graphie 2: Das dritte Element ist - als Hinweis für einen besonders tiefen
Ton - mit einem Gravis notiert.
Graphie 3: Diese vertikal verbundene Graphie treffen wir als entspannende
Bewegung an, die in der Metzer Notation mit großer Präzision notiert ist:
Graphie 4: Dieses Zeichen ist zusammengesetzt aus Virga und Porrectus
und entspricht der partiell kurrenten Graphie in St. Gallen: Die erste
Note ist als Anfangsartikulation gedehnt. Durch die Verbindung der letzten
drei Noten entsteht eine Porrectusgraphie. Der musikalische Gestus zielt
auf die letzte Note.
Graphie 5: Diese partiell verbundene Graphie ist zusammengesetzt aus Virga,
Tractulus und Pes. Die Graphie wird öfter im Melisma, doch auch in der
Silben- und Wortartikulation benutzt.
Welche Absicht verfolgt der Verfasser mit der Wahl dieser Graphie?
Es lohnt sich die fünf Möglichkeiten die in An vorkommen, miteinander
zu vergleichen.

|